ADFC-Fahrradklima-Test: Infrastruktur besser, Miteinander schwächelt

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Radfahrende in Deutschland bewerten das Klima auf den Straßen weiterhin nur mäßig: Die Ergebnisse des elften ADFC-Fahrradklima-Tests, die der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club am 17. Juni 2025 veröffentlicht hat, zeigen Fortschritte in der Infrastruktur – und anhaltende Defizite bei Verkehrssicherheit und Miteinander. Unterstützt wird die alle zwei Jahre durchgeführte Befragung vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr.

Zwischen September und November 2024 hatten Radfahrende bundesweit Gelegenheit, die Radfahrbedingungen in ihrer Kommune mit Schulnoten zu bewerten. Laut ADFC handelt es sich um die weltweit größte Zufriedenheitsbefragung von Radfahrenden. In die Auswertung gelangten weit über tausend Städte und Gemeinden; beim Schwerpunkt „Miteinander im Verkehr“ verweist der Verband auf 1.047 angezeigte Orte. Bewertet wurden insgesamt 27 Standardfragen, deren Antworten zu einem Gesamtindex je Ort zusammenfließen. Die Einzelergebnisse sind auf der Internetseite des Fahrradklima-Tests öffentlich abrufbar und lassen sich dort nach Bundesland, Stadtgröße und Besiedlungsdichte filtern.

Für viele Kommunen ist die Befragung inzwischen ein etabliertes Messinstrument. In nordrhein-westfälischen Städten wie Lüdinghausen stieg die Teilnahme laut ADFC deutlich: 253 Menschen bewerteten dort die Bedingungen vor Ort – ein Plus von rund 70 Prozent gegenüber 2022. Positiv hervorgehoben wurden demnach die Erreichbarkeit des Stadtzentrums und das zügige Vorankommen, kritisiert wurden zu lange Wartezeiten an Ampeln, zu enge Radwege und die kaum praktikable Fahrradmitnahme im ÖPNV.

Infrastruktur verbessert sich spürbar

Wie der ADFC-Landesverband Baden-Württemberg in seiner Pressemitteilung vom 17. Juni 2025 berichtet, erreichten die 26 bewerteten baden-württembergischen Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern im Schnitt die Note 3,8 – eine Verbesserung um 0,1 Notenpunkte gegenüber der Befragung von 2022. Damit zählt das Südwestland im deutschlandweiten Vergleich zusammen mit Hessen und Niedersachsen zu den Vorreitern in Sachen Fahrradfreundlichkeit. Das Radverkehrsnetz des Landes wurde mit Note 2,9 bewertet, 0,4 Punkte besser als 2022; die Verfügbarkeit öffentlicher Leihräder verbesserte sich von 4,4 auf 3,2. Auch die Werbung für das Radfahren schnitt im Land überdurchschnittlich ab: 3,7 gegenüber 4,1 im gesamtdeutschen Schnitt.

Als Belege dafür, dass sich systematische Radverkehrsförderung auszahlt, nennt der Landesverband drei Städte, die ihre Bewertung um mindestens 0,3 Notenpunkte verbessern konnten: Tübingen erreichte die Note 2,77, Ettlingen 2,76 und Eislingen/Fils 2,92. In Tübingen zeige etwa das Radwegenetz „Blaues Band“ mit den teils beheizbaren Fahrradbrücken Wirkung, heißt es in der Mitteilung. Die geehrten fahrradfreundlichsten Städte Deutschlands erhielten ihre Auszeichnungen aus den Händen von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder.

Auch in anderen Bundesländern fielen Spitzenwerte auf: Laut ADFC landete Münster mit der Note 2,97 erneut auf Platz eins der Großstädte mit 200.000 bis 500.000 Einwohnern; die westfälische Stadt Olfen erreichte mit 2,4 den dritten Platz unter den Orten mit bis zu 20.000 Einwohnern. Insgesamt schafften es allein 172 Kommunen aus Baden-Württemberg in die Auswertung, in Nordrhein-Westfalen wurden nach ADFC-Angaben 113 Orte in der jeweiligen Städtekategorie gewertet.

Miteinander bleibt die Schwachstelle

Deutlich kritischer als das allgemeine Fahrradklima bewerteten die Teilnehmenden das Verhalten im Straßenverkehr, wie die Sonderauswertung des ADFC zum Schwerpunkt „Miteinander im Verkehr“ zeigt. Beim Sicherheitsabstand beim Überholen lag der Median über alle ausgewerteten Orte bei der Note 4,5; die Frage nach einem freundlichen und rücksichtsvollen Verkehrsklima erreichte einen Median von 3,9. Auch die Frage, ob sich Politik und Verwaltung vor Ort an dem Ziel ausrichten, dass es keine Verkehrstoten und Schwerverletzten mehr gibt – dem Ansatz „Vision Zero“ –, landete mit einem Median von 4,3 im kritischen Bereich. Lediglich Konflikte unter Radfahrenden wurden mit einem Median von 2,9 als vergleichsweise gering wahrgenommen.

Besonders in großen Städten werde das Verkehrsklima als angespannt erlebt – auch in Kommunen wie Freiburg, Münster oder Karlsruhe, die in der Gesamtwertung traditionell gut abschneiden, heißt es in der ADFC-Auswertung. Der Verband weist in seiner Erläuterung zugleich darauf hin, dass die Bewertung einzelner Fragen stark von der Grundstimmung beim Ausfüllen des Fragebogens abhänge; zur Einordnung werde deshalb neben den Einzelbewertungen stets der Gesamtindex des jeweiligen Ortes angezeigt. Als positives Beispiel hebt der ADFC Aachen hervor: Die Stadt erhielt einen Sonderpreis für öffentlich sichtbare Kampagnen zur Rücksichtnahme, klare Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit und umfassende Bürgerbeteiligung.

Verband fordert Maßnahmenpaket

Der ADFC-Landesvorsitzende von Baden-Württemberg, Matthias Zimmermann, brachte die Konsequenz des Verbands in der Pressemitteilung so auf den Punkt: Es gelte, die Radverkehrssicherheit in den nächsten Jahren ernsthaft in den Fokus der Radverkehrsförderung zu rücken und das Sicherheitsgefühl der Radfahrenden spürbar zu steigern. Als zwingend erforderlich bezeichnet der Fahrradverband die konsequente Trennung von Rad- und Autoverkehr bei hoher Verkehrsstärke – genannt wird ein Schwellenwert von 1.500 Kraftfahrzeugen pro Tag –, Geschwindigkeitsreduktionen bei gemeinsamer Führung, gesicherte Querungen und Kreuzungen sowie die Entfernung von Hindernissen auf Radwegen. Auch eine konsequentere Überwachung des Verkehrs und die Ahndung von Verstößen sollen Teil eines Maßnahmenpakets sein. Ein respektvolles Verkehrsklima mit gegenseitiger Rücksichtnahme bezeichnet Zimmermann als gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Wer selbst beitragen will, dass das Bild künftig besser ausfällt, bekommt bald wieder Gelegenheit: Die nächste Auflage der Umfrage, der ADFC-Fahrradklima-Test 2026, läuft nach Angaben des Verbands vom 1. September bis zum 30. November – erstmals mit einer eigenen Befragung für Zehn- bis Zwanzigjährige.

Der 1979 gegründete ADFC vertritt bundesweit die Interessen der Alltags- und Freizeitradler und hat nach eigenen Angaben mehr als 240.000 Mitglieder. Schwerpunkte des Verbands sind Verkehrspolitik, Radtourismus, Technik und Sicherheit sowie Gesundheitsvorsorge.

Quellen

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