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Schwimmen lernen: Warum DSV und DLRG auf mehr Kurse drängen
Deutschland hat ein Nichtschwimmer-Problem, und es wächst. Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) und die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) melden seit Jahren, dass ein erheblicher Teil der Grundschulkinder das Becken ohne sichere Schwimmfertigkeiten verlässt. Mit den bundesweiten Schwimmabzeichentagen und neuen Kursformaten versuchen die Verbände nun gegenzusteuern. Hintergrund sind ein ausgedünnter Schwimmunterricht an Schulen und anhaltend hohe Zahlen tödlicher Badeunfälle.
Die DLRG zählte für das Jahr 2024 mindestens 411 Ertrinkungstote in Deutschland, wie aus der jährlichen Ertrunkenenstatistik der Gesellschaft hervorgeht. Für 2025 lag die Sommerbilanz der DLRG bei mindestens 321 Menschen, die bis zum Ende der Sommerferien in deutschen Gewässern zu Tode gekommen waren. Auffällig in der Zwischenbilanz 2025: Nach Angaben der DLRG ertranken überdurchschnittlich viele junge Menschen im Alter zwischen 11 und 30 Jahren.
Schwimmunterricht an Schulen auf dem Rückzug
Eine zentrale Ursache sehen die Verbände in den Schulen. Badschließungen, Personalmangel und Sanierungsstaus haben den Schwimmunterricht an vielen Grundschulen ausgedünnt oder gestrichen. Der DSV weist in seinen amtlichen Mitteilungen wiederholt darauf hin, dass dort, wo der schulische Schwimmunterricht fehlt, Vereine und Bäder die Lücke kaum noch schließen können. Die Konsequenz: Kinder, deren Eltern keinen Kurs außerhalb der Schule organisieren oder bezahlen können, bleiben häufig Nichtschwimmer.
Untersuchungen, auf die sich DSV und DLRG berufen, gehen davon aus, dass ein wachsender Anteil der Kinder nach der vierten Klasse nicht sicher schwimmen kann. Sicher schwimmen heißt dabei nach Definition der Fachverbände: einige hundert Meter am Stück schwimmen, sicher vom Beckenrand ins Wasser springen und sich über Minuten über Wasser halten können. Genau diese Kompetenzen prüft das Frühschwimmer-Abzeichen Seepferdchen, das für viele Kinder der erste formale Nachweis ist.
Schwimmabzeichentage und Vereinskurse als Gegenmaßnahme
Als Antwort organisieren der DSV und seine Landesschwimmverbände bundesweite Schwimmabzeichentage. Bei der Aktion 2025 wurden in hunderten Frei- und Hallenbädern Prüfungen für Schwimmabzeichen vom Seepferdchen bis zum Deutschen Schwimmabzeichen Gold angeboten; für 2026 ist nach Angaben des Verbands die nächste Auflage angekündigt. Ziel ist es, die Hemmschwelle für die Prüfung zu senken und Familien direkt an die Kursangebote der Vereine heranzuführen.
Parallel setzen die Verbände auf Kurse für ältere Einsteiger. Die DLRG bietet über ihre Gliederungen Schwimmkurse für Jugendliche und Erwachsene an, die als Kind nie schwimmen gelernt haben. Auch die DSV-Vereine melden steigende Nachfrage nach Erwachsenenkursen. Fachleute aus der Sportwissenschaft verweisen in diesem Zusammenhang auf Studien der Bewegungs- und Trainingswissenschaft, denen zufolge Schwimmen für Einsteiger jeden Alters erlernbar ist, sofern regelmäßig und mit qualifizierter Anleitung geübt wird.
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ordnet das Thema in die Lage des organisierten Sports ein. Nach dem aktuellen Sportentwicklungsbericht engagieren sich rund 8,8 Millionen Menschen ehrenamtlich in den rund 91.000 Vereinen unter dem Dach des DOSB. Ohne diese Infrastruktur, so der Tenor des Berichts, seien Schwimmkurse in der Breite gar nicht darstellbar. Gleichzeitig warnt der Bericht vor der zunehmenden Belastung der Ehrenamtlichen, die auch die Kursplanung in Schwimmvereinen betrifft.
Was Eltern und Einsteiger konkret tun können
Fachverbände und Unfallforscher empfehlen übereinstimmend mehrere Schritte. Erstens: Kinder so früh wie möglich ans Wasser gewöhnen, idealerweise über einen Seepferdchen-Kurs im Verein oder Bad. Zweitens: Beim Baden in Seen und Flüssen nur beaufsichtigte oder von der DLRG gesicherte Bereiche nutzen, denn die Statistik zeigt, dass ein Großteil der Unfälle in unbewachten Gewässern passiert. Drittens: Erwachsene, die nicht schwimmen können, sollten sich einen Einsteigerkurs suchen, statt das Thema zu schieben. Wartelisten in vielen Städten sind lang, eine frühe Anmeldung lohnt sich.
Für die Saison 2026 kündigen die Verbände an, ihre Aktionen auszubauen. Die DLRG will ihre Rettungswachen an besonders frequentierten Gewässern verstärken, der DSV die Schwimmabzeichentage fortsetzen. Beide betonen, dass sich an der Grundbotschaft nichts ändert: Schwimmen ist eine der wenigen Sportarten, die im Ernstfall das eigene Leben retten kann, und sie bleibt lernbar, in jedem Alter.



