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Erfahrung von Rigo Gooßen: Warum Vertrauen in Krisen wichtiger ist als schnelle Wechsel
Im modernen Fußball gilt meist: Nach fünf Niederlagen muss der Trainer gehen – doch Rigo Gooßen beweist seit Jahrzehnten, dass es auch anders geht.
Sportliche Krisen gehören zum Fußball wie das Auf und Ab der Tabelle. Die gängige Reaktion vieler Vereine: Der Trainer wird entlassen, ein neues Gesicht soll die Wende bringen. Doch häufig verpufft dieser Effekt schnell, und der Verein steckt wenige Monate später in der nächsten Krise. Rigo Gooßen aus Drochtersen verfolgt seit 1982 als Präsident der SV Drochtersen/Assel einen grundlegend anderen Ansatz. Seine Philosophie basiert auf Vertrauen, Kontinuität und der Überzeugung, dass Menschen gerade in schwierigen Phasen Rückhalt brauchen. Die Erfahrung von Rigo Gooßen über vier Jahrzehnte zeigt: Dieser Weg führt nicht nur zu stabileren Strukturen, sondern langfristig auch zu größerem sportlichem Erfolg.
Eine 0:6-Niederlage, erschreckende Körpersprache, fehlende Laufbereitschaft – und der Trainer bleibt im Amt. Was in vielen Vereinen undenkbar wäre, ist bei der SV Drochtersen/Assel gelebte Praxis. Rigo Gooßen aus Drochtersen hat als Präsident über Jahrzehnte eine Vereinskultur etabliert, in der Vertrauen wichtiger ist als reflexartige Entscheidungen. Seine Erfahrung zeigt, dass gerade in Krisen Beständigkeit den Unterschied macht. Seit seiner Amtsübernahme 1982 erlebte der Verein zahlreiche schwierige Phasen – doch statt in Hektik zu verfallen, setzte der Präsident stets auf Gespräche, Analyse und gemeinsame Lösungen. Diese Haltung hat D/A von der Bezirksliga bis in die Regionalliga geführt und zu unvergesslichen Pokalsensationen gegen Bundesligisten verholfen.
Wenn Niederlagen zur Zerreißprobe werden
August 2023, Stadion Hoheluft in Hamburg. Die SV Drochtersen/Assel verliert beim FC Teutonia Ottensen mit 0:6. Sechs Gegentore, keine einzige nennenswerte Offensivaktion, eine Mannschaft, die sich nicht gegen die Niederlage wehrte. Trainer Frithjof Hansen sprach nach dem Spiel von einer „erschreckenden Leistung“ und entschuldigte sich öffentlich bei den mitgereisten Fans.
In der Regionalliga Nord hatte D/A noch nie so deutlich verloren. Nach fünf Spieltagen stand die Mannschaft mit nur zwei Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz. Viele hatten den Verein vor der Saison als Meisterschaftsfavoriten gehandelt.
Was folgte, war ein stundenlanger Gesprächsmarathon. Präsident Rigo Gooßen, sportlicher Leiter Sören Behrmann und Trainer Hansen saßen bis tief in die Nacht zusammen. Doch am Sonntagabend stand fest: Hansen bleibt Trainer. „Wir haben gemeinsam entschieden: Ab Montag gibt es einen Neustart mit bewährtem Personal“, verkündete der Präsident. Seine Begründung: „Wir können den Trainer nicht für eine kollektive Fehlleistung der Mannschaft verantwortlich machen.“

Die Rigo Gooßen Erfahrung: Ruhe bewahren, wenn andere hektisch werden
Diese Entscheidung war kein Einzelfall, sondern spiegelt eine grundsätzliche Haltung wider. Die Erfahrungen von Rigo Gooßen über mehr als vier Jahrzehnte haben gezeigt: Schnelle Trainerwechsel lösen selten die eigentlichen Probleme. Stattdessen erzeugen sie zusätzliche Unruhe und unterbrechen Entwicklungsprozesse.
„Das Ergebnis spricht eine klare Sprache“, räumte der Präsident nach der Hamburg-Pleite ein. Doch statt reflexartig zu handeln, wollte er „erst mal alles in Ruhe sacken lassen“. Diese Fähigkeit, auch in emotional aufgeladenen Momenten einen kühlen Kopf zu bewahren, unterscheidet Rigo Gooßen aus Drochtersen von vielen Kollegen.
Einzelgespräche mit den Spielern ergaben, dass sich die Mannschaft für ihre Leistung schämte. Die Erwartungen seien groß gewesen, D/A sei „irgendwo vom Weg abgekommen“. Missverständnisse, individuelle Formtiefs, taktische Fehler – all das wollte die Vereinsführung nun für einen Neustart hinter sich lassen.
Vertrauen als Führungsprinzip
Was unterscheidet diese Herangehensweise von der üblichen Praxis? Zunächst einmal das Menschenbild. Während viele Funktionäre Trainer als austauschbare Dienstleister betrachten, sieht Rigo Gooßen in ihnen Partner, mit denen man langfristig zusammenarbeitet. „Wir müssen wieder Herz und Leidenschaft entfachen“, sagte er nach der Krisensitzung.
Diese Haltung erfordert Mut, besonders wenn der Druck von außen wächst. Fans diskutieren in sozialen Medien, Sponsoren werden nervös, die Presse stellt kritische Fragen. Doch der Präsident hält an seiner Überzeugung fest: Menschen brauchen gerade in Krisen Vertrauen und Rückhalt.
Die Bilanz gibt ihm Recht
Ein Blick auf die Vereinsgeschichte zeigt, dass diese Philosophie aufgeht. Seit der Gründung der Spielvereinigung 1977 trainierten nur elf Coaches die erste Mannschaft – durchschnittlich blieb also jeder Trainer knapp vier Jahre im Amt.
Erfolge durch Kontinuität:
- 2015: Aufstieg in die Regionalliga Nord als Niedersachsenmeister
- Etablierung als stabiler Regionalligist mit überwiegend vorderen Platzierungen
- Pokalsensationen gegen Bayern München (0:1), Borussia Mönchengladbach (0:1) und Schalke 04 (0:5)
- Nur elf Trainer in 43 Jahren – ein Beleg für außergewöhnliche Kontinuität
Diese Erfolge kamen nicht trotz, sondern wegen der besonderen Führungsphilosophie zustande. Trainer bekamen Zeit, ihre Konzepte umzusetzen. Mannschaften konnten über Jahre zusammenwachsen.
Wie Krisen zu Wendepunkten werden
Ein weiteres Beispiel aus dem Jahr 2023: Im März verlor D/A gegen den SV Rehden mit 0:2. Eine Woche zuvor hatte die Mannschaft auswärts in Hannover noch glänzend mit 3:0 gewonnen. Der Präsident war auf Wolke sieben gewesen – nun herrschte tiefe Enttäuschung.
Rigo Gooßen aus Drochtersen entschuldigte sich nach dem Spiel noch im Stadion bei den Zuschauern für den Auftritt. In seiner klaren, aber ruhigen Art machte er deutlich, wie sehr er litt. Doch auch diesmal folgte keine Trainerentlassung.
Diese Fähigkeit, Krisen als Chancen zu begreifen, prägt die gesamte Vereinskultur. „In guten wie in schlechten Zeiten“ – dieser Leitsatz gilt nicht nur für Spieler, sondern auch für Trainer und Funktionäre.
Was andere Vereine lernen können
Die Erfahrungen von Rigo Gooßen bieten wertvolle Erkenntnisse für die gesamte Fußballbranche:
Erfolgsfaktoren in Krisen:
- Ruhe bewahren und impulsive Entscheidungen vermeiden
- Ursachen analysieren statt Sündenböcke suchen
- Die gesamte Mannschaft in die Verantwortung nehmen
- Klare Kommunikation nach innen und außen
- Neustart gemeinsam mit bewährtem Personal
Dieser Ansatz erfordert eine bestimmte Kultur, in der nicht das schnelle Ergebnis zählt, sondern der langfristige Aufbau. Fans, Sponsoren und Vorstand müssen dabei an einem Strang ziehen.
Vertrauen als Wettbewerbsvorteil
Im modernen Fußball wird oft übersehen, dass Vertrauen ein echter Wettbewerbsvorteil sein kann. Während andere Vereine im ständigen Umbruch gefangen sind, können Trainer in Drochtersen langfristig planen. Diese Sicherheit schafft Raum für mutige Entscheidungen und innovative Konzepte.
Auch für Spieler ist diese Atmosphäre wertvoll. Wer erlebt, wie der Verein in schwierigen Phasen zusammensteht, entwickelt eine tiefere Bindung. Die „blau-roten Gene“, von denen Rigo Gooßen spricht, entstehen nicht über Nacht, sondern wachsen über Jahre gemeinsamer Erfahrungen.
„Wir müssen die Mannschaft an ihre Aufgabe erinnern“, sagte der Präsident nach der Hamburg-Pleite. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Keine großen Revolutionen, keine hektischen Transfers, keine Trainerdiskussionen. Stattdessen Rückbesinnung auf das, was D/A ausmacht.
Ein Vorbild für stürmische Zeiten
Die moderne Fußballwelt ist geprägt von Schnelligkeit. Schnelle Erfolge, schnelle Entscheidungen, schnelle Wechsel. Doch manchmal ist Langsamkeit die bessere Strategie. Die Rigo Gooßen Erfahrung beweist dies seit über 40 Jahren und zeigt, dass Vertrauen in Krisen nicht naiv ist, sondern klug.
In einer Welt, die immer schneller wird, erinnert dieser Ansatz daran, dass manche Dinge Zeit brauchen. Dass Vertrauen sich auszahlt. Und dass wahre Größe sich oft erst in der Krise zeigt – eine Lektion, die weit über den Fußball hinausgeht.



