Dörthe Priesmeier erklärt: So pflegt man den Rasen das ganze Jahr über richtig

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Dörthe Priesmeier verrät, warum ihr Rasen auch nach Hitzewochen noch sattgrün ist


Jeder kennt das: Der Nachbar hat den perfekten Rasen, der eigene sieht aus wie ein Flickenteppich. Dörthe Priesmeier hat jahrelang experimentiert, bis sie begriffen hat: Ein schöner Rasen entsteht nicht im Frühjahr, sondern das ganze Jahr über. Ihr Geheimnis sind nicht teure Geräte oder Wundermittel, sondern der richtige Zeitpunkt für jede Maßnahme. Wer weiß, wann vertikutiert, gedüngt und gemäht werden muss, spart sich später viel Frust.

Dörthe Priesmeier stand letzten März in ihrem Garten und ärgerte sich. Der Rasen sah aus wie nach einem Bombenangriff. Kahle Stellen, Moos überall, braune Flecken. „Ich hab alles falsch gemacht“, gibt sie zu. Das war vor fünf Jahren. Heute beneiden Nachbarn sie um ihren Rasen.

Was ist passiert? Sie hat aufgehört, den Rasen nur im Frühjahr zu beachten. „Rasenpflege ist wie Zähneputzen, das macht man nicht nur einmal im Jahr.“ Klingt banal, ist aber der Knackpunkt. Die meisten kümmern sich im März drei Wochen lang intensiv um den Rasen und wundern sich dann, warum er im August aussieht wie Stroh. Dörthe Priesmeier macht das anders. Sie hat für jeden Monat klare Aufgaben. Nicht viel, aber zur richtigen Zeit. „Fünf Minuten im richtigen Moment sind mehr wert als fünf Stunden zur falschen Zeit.“

Frühjahr – Jetzt wird’s ernst

März ist Aufräumzeit

Sobald der Schnee weg ist, geht Dörthe Priesmeier mit dem Rechen über den Rasen. Nicht weil sie ordnungsbesessen ist, sondern weil alter Mulch und Laub das neue Wachstum blockieren. „Stell dir vor, du willst aus dem Bett aufstehen, aber jemand hat eine Decke über dich gelegt.“ Ende März kommt dann das Vertikutiergerät zum Einsatz. Das sieht brutal aus, ist aber notwendig. „Der Rasen blutet kurz, aber dann atmet er wieder.“ Moos und Filz müssen raus, sonst haben die guten Gräser keine Chance.

April – Futter für die Gräser

Wenn die Temperaturen dauerhaft über zehn Grad steigen, bekommt der Rasen seine erste Düngung. Die Hobbygärtnerin schwört auf organischen Dünger. „Chemie wirkt schnell, aber nicht nachhaltig. Organisch dauert länger, hält aber auch länger.“


Ihr Trick: Sie mischt den Dünger mit etwas Sand. Das verbessert die Verteilung und lockert nebenbei den Boden. Gegossen wird nur, wenn’s richtig trocken ist. „Verwöhnte Gräser entwickeln oberflächliche Wurzeln. Das rächt sich im Sommer“, teilt sie mit. Kahle Stellen werden jetzt nachgesät. Aber nicht irgendwie. Dörthe Priesmeier kratzt die Erde auf, säht nicht zu dicht und deckt mit etwas Kompost ab. „Grassamen sind wie Babys – brauchen Schutz und Feuchtigkeit.“

Sommer – Überleben bei Hitze

Mähen will gelernt sein

„Alle schneiden zu tief“, seufzt Dörthe Priesmeier. Dabei ist die Schnitthöhe entscheidend. Im Sommer lässt sie mindestens vier Zentimeter stehen. „Längere Halme beschatten den Boden und verdunsten weniger Wasser.“ Gemäht wird früh morgens oder abends. Nie in der Mittagshitze. „Das ist wie Haare schneiden in der Sauna, also Stress für alle Beteiligten.“ Die Messer müssen scharf sein. Stumpfe Klingen reißen die Halme auf, statt sie zu schneiden.


Ihr Mährhythmus ist flexibel. Bei Regen öfter, bei Trockenheit seltener. „Der Rasen sagt mir, wann er geschnitten werden will. Man muss nur hinschauen.“

Wässern – aber richtig

Sie gießt selten, aber gründlich. „Lieber einmal pro Woche richtig als jeden Tag ein bisschen.“ Ihr Test: Ein Glas in den Sprenger stellen. Erst wenn fünf Zentimeter Wasser drin sind, ist genug Wasser gefallen. Gegossen wird zwischen fünf und sieben Uhr morgens. „Da ist’s kühl, der Wind schläft noch und das Wasser kommt wirklich bei den Wurzeln an.“ Abends gießen ist schlecht – fördert Pilzkrankheiten. Bei längerer Trockenheit stellt sie das Gießen komplett ein. „Gras ist zäher als gedacht. Es geht in eine Art Winterschlaf und erwacht nach dem ersten Regen wieder.“

Herbst – Vorbereitung ist für Dörthe Priesmeier alles

September – Aufwachen nach der Hitze

Wenn die Nächte wieder kühler werden, erwacht der Rasen aus der Sommerpause. Dörthe Priesmeier nutzt das für Reparaturen. Kahle Stellen werden neu gesät, diesmal mit spezieller Herbst-Mischung. „Herbstsaat ist oft erfolgreicher als Frühjahrssaat. Die Erde ist warm, aber die Luft nicht mehr so heiß.“ Geharkt wird täglich – das erste Laub darf nicht liegen bleiben.

Oktober – Der wichtigste Monat

Jetzt kommt der Herbstdünger. Ganz anders als im Frühjahr: wenig Stickstoff, viel Kalium. „Das ist wie Vitamine vor dem Winter – stärkt das Immunsystem der Gräser.“ Der letzte Schnitt ist kritisch. Dörthe Priesmeier lässt drei bis vier Zentimeter stehen. „Zu kurz und der Frost kommt direkt an die Wurzeln. Zu lang und das Gras knickt unter Schnee ab.“ Laub wird konsequent entfernt. Jeden zweiten Tag geht sie mit dem Rechen raus. „Laubschichten sind wie Plastikfolie – darunter fault alles weg.“

Winter – Rasen in Ruhe lassen

Dezember bis Februar – Pause für alle

Dörthe Priesmeier macht im Winter… nichts. Jedenfalls fast nichts. „Der Rasen schläft, da stört man nicht.“ Betreten ist tabu, besonders bei Frost oder Schneematsch. Streusalz vom Gehweg hält sie fern. „Salz und Gras – das ist wie Öl und Wasser. Geht nicht zusammen.“ Sie streut Sand oder benutzt salzfreie Alternativen. Sollte Schneeschimmel auftreten, wartet sie ab.

Dörthe Priesmeier

Die häufigsten Fehler – und was Dörthe Priesmeier dagegen tut

Nach fünf Jahren Experimenten kennt sie jeden Fehler:

  • Zu früh anfangen: „Vertikutieren bei fünf Grad bringt nichts. Die Gräser schlafen noch.“
  • Falscher Dünger zur falschen Zeit: Stickstoff im Herbst macht die Pflanzen frostempfindlich.
  • Gießen zur Mittagszeit: „Verschwendung und schädlich – das Wasser verdampft, bevor es ankommt.“
  • Laub ignorieren: „Sieht romantisch aus, ist aber Gift für jeden Rasen.“
  • Ungeduld bei kahlen Stellen: Grassamen brauchen drei Wochen zum Keimen.
  • Mähen bei Nässe: Verschmiert den Boden und verstopft den Mäher.

Ein echter Garten, echte Probleme

Dörthe Priesmeier lebt nicht in einer Villa mit Gärtner. Ihr Garten ist absolut normal. Daher weiß sie: „Perfektion ist nicht das Ziel. Ein robuster, grüner Rasen reicht völlig.“ Ihr Erfolgsrezept ist simpel: wenige Maßnahmen, aber zur richtigen Zeit. März Aufräumen, April Düngen, Sommer vorsichtig mähen, Herbst vorbereiten, Winter Pause.

Funktioniert das immer? „Nein. Letztes Jahr hatte ich trotzdem braune Flecken nach der Hitze. Macht nichts – im Herbst hab ich nachgesät.“ 

Was einen wirklich guten Rasen ausmacht

Mehr als nur grün

Ein guter Rasen ist nicht nur schön anzusehen. Er federt beim Drauflaufen, riecht frisch nach dem Mähen und erholt sich schnell von Belastungen. „Meine Kinder spielen jeden Tag drauf. Der Rasen steckt das weg.“ Die Hobbygärtnerin testet die Qualität mit dem „Schraubenzieher-Test“: Lässt sich ein Schraubenzieher leicht in den Boden stechen? Dann ist die Durchwurzelung gut. Bleibt er stecken? Der Boden ist zu hart.

Jahresplan für Einsteiger

Wer anfangen will, braucht einen Plan. Dörthe Priesmeiers Minimal-Programm:

  • März: Rasen abharken, bei Bedarf vertikutieren
  • April: Frühjahrsdünger streuen, kahle Stellen nachsäen
  • Mai-Juli: Regelmäßig mähen, nicht zu tief
  • August: Bei Trockenheit Mähpausen einlegen
  • Oktober: Herbstdünger, letzter Schnitt, Laub entfernen
  • November-Februar: Ruhe, nicht betreten

Geduld und Rhythmus

Ein gepflegter Rasen entsteht nicht in einer Woche, sondern in vielen kleinen Schritten über das Jahr verteilt. Wer früh beginnt, dranbleibt und den Rasen als Partner sieht, wird belohnt. Dabei geht es nicht um Perfektion, sondern um Beständigkeit. Ein dichter, gesunder Rasen verzeiht auch mal einen vergessenen Schnitt oder eine trockene Phase.

Die Natur arbeitet mit, wenn man ihr Zeit und Aufmerksamkeit schenkt. Wichtig ist der langfristige Blick: Was heute gesät wird, zeigt sich erst in Monaten. Was heute vernachlässigt wird, rächt sich im nächsten Jahr. Geduld und Rhythmus sind die besten Werkzeuge für dauerhaftes Grün. Dörthe Priesmeier zeigt: Es braucht keinen perfekten Plan, sondern nur ein wenig Konsequenz – und ein gutes Gespür für den eigenen Garten.

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Ronja Falkenberg
Ronja Falkenberg

Ronja ist Abenteurerin und Survival-Trainerin. Sie liebt es, in der Wildnis zu übernachten und gibt Tipps für Outdoor-Selbstversorgung.